Young Carer: Wenn Kinder Angehörige pflegen.

Wird die Belastung zu groß, können Schulleistungen und Gesundheit leiden

(djd). Morgens früh aufstehen, Frühstück machen, Papa die Medikamente geben und die kleine Schwester in die Kita bringen. Nach der Schule aufräumen, Wäsche waschen und dann als Begleitung mit zum Arzttermin: So oder ähnlich kann der Alltag von Kindern und Jugendlichen aussehen, die ein Familienmitglied pflegen.

Und es sind viele. Laut einer Studie der Universität Witten-Herdecke im Auftrag des Bundesgesundheits-ministeriums trugen 2018 fast 480.000 junge Menschen Pflegeverantwortung – statistisch sitzen damit in jeder Schulklasse zwei der sogenannten Young Carer.

Überlastung gefährdet Bildung und Gesundheit

Für die Kinder und Jugendlichen kann die Pflege zu einer hohen Belastung werden, aber auch positive Aspekte haben. So entwickeln sie oft eine ausgeprägte Sozialkompetenz und erleben familiäre Bindungen als besonders eng und tragfähig.

Bleibt aber dauerhaft zu wenig Zeit für Schule, Lernen, Freundschaften, Hobbys und das „eigene Leben“, können Gesundheit, Bildungschancen und Sozialleben der Young Carer stark beeinträchtigt werden. „Die Auswirkungen sind sehr individuell und hängen immer auch vom Ausmaß der Pflegetätigkeiten ab“, weiß Diana Wasser von der Pflegeberatung compass. „Während es zum Beispiel völlig in Ordnung sein kann, einmal pro Woche kleine Erledigungen für Oma zu machen, wird die Belastung für das Kind einer alleinerziehenden pflegebedürftigen Mutter möglicherweise schnell viel zu hoch.“

Oft bleibt das jedoch lange unbemerkt, denn die Betroffenen ziehen sich eher zurück, als proaktiv Hilfe zu suchen. Ein sensibles Umfeld ist deshalb ausschlaggebend.

Ein offenes Ohr bei der Pflegeberatung

Für das Identifizieren und Unterstützen junger Pflegender spielt die Pflegeberatung oft eine wichtige Rolle: „Wir nehmen generell immer alle Familienangehörigen mit in den Blick, auch Kinder und Jugendliche“, erklärt Diana Wasser. Wird eine Überlastung sichtbar, empfehlen die Beraterinnen und Berater passende Entlastungsangebote in der Region sowie Stellen, an denen betroffene Jugendliche sich untereinander austauschen können.

Auf eine Pflegeberatung haben Pflegebedürftige und ihre An- oder Zugehörigen gesetzlichen Anspruch. compass etwa ist für privat Versicherte zuständig und bietet zusätzlich kostenfreie telefonische Beratung für alle unter der Service-Nummer 0800 – 101 88 00 an, darüber hinaus stehen unter www.pflegeberatung.de mehr Informationen und ein Chat-Bot bereit. „Insgesamt ist es wichtig, ein besonderes Augenmerk auf junge Menschen mit Pflegeverantwortung zu richten und eine vertrauensvolle Kommunikation aufzubauen“, betont die Pflegeberaterin. „Denn sie brauchen Beistand und ein offenes Ohr, um sich gesund zu entwickeln.“

Foto: djd/compass private pflegeberatung